1. Zangen und woran Sie eine gute Zange erkennen
Das Wort Zange leitet sich vom althochdeutschen „Zanga“ ab, das aus dem Griechischen kommt und „beißen“ bedeutet. Bereits im alten Ägypten wurde das praktische Werkzeug für das Tragen von heißen Gegenständen verwendet. Heute ist es aus keinem Werkzeugkasten mehr wegzudenken. Sowohl Hand- als auch Heimwerker machen sich das simple und doch so effektive Hebelprinzip zunutze, bei dem mit geringerem Kraftaufwand per Hand eine größere Kraft im Zangenkopf beziehungsweise den Backen umgesetzt wird.
Zangen bestehen aus den Griffen, dem Zangenkopf mit den Backen beziehungsweise Schneiden und dem Gelenk. Je nach Zange gibt es unterschiedliche Gelenkarten: Beim aufgelegten Gelenk liegen die beiden Zangenhälften ohne Ausarbeitung aufeinander, während im eingelegten Gelenk jeder Zangenschenkel bis zur Hälfte ausgearbeitet ist. Das sogenannte durchgesteckte Gelenk weist einen geschlitzten Zangenschenkel auf, durch den der andere Schenkel durchgeschoben wird.
Einige Zangen sollten Sie für kleinere Arbeiten im Haus oder Reparaturen immer parat haben. An erster Stelle steht natürlich die Kombinationszange, umgangssprachlich Kombizange genannt. Das Multifunktionswerkzeug vereint Kneifzange, Wasserpumpenzange und Rohrzange und kann außerdem für Elektroarbeiten genutzt werden. Das Festhalten von Nägeln gelingt damit genauso einfach wie das Durchtrennen von Kabeln oder Drähten.
Sollten Sie mit Letzterem häufiger konfrontiert werden, empfiehlt sich die Anschaffung eines Seitenschneiders. Die Zange fürs Grobe schneidet nahezu alles, kann aber in entsprechender Ausführung auch für Präzisionsarbeit wie Elektroinstallationen, Modellbau oder feinmechanische Tätigkeiten verwendet werden.
Beachten Sie: Für Arbeiten unter Spannung (Wechsel- oder Gleichspannung) ist eine Griffisolierung unabdingbar.
Damit Sie lange mit einer Zange gut arbeiten können, ist die Verarbeitung und das Handling wichtig! Klären Sie vor dem Kauf ihren Verwendungszweck und achten Sie auf folgende Qualitätskriterien:
- Grundsätzlich sollte die Zange zunächst einmal gut in der Hand liegen – testen Sie das vor dem Kauf.
- Die Griffe sollten außerdem rutschfest, fest mit dem Zangenkörper verbunden und die Verbindungen beider Schenkel solide gearbeitet sein, dass diese nicht schnell ausleiern.
- Überprüfen Sie auch das Zangenmaul: Wenn die Zange präzise gearbeitet ist, stehen die Haltebacken und/oder Schneiden exakt parallel zueinander.
- Achten Sie bei verstellbaren Zangen (z. B. Zangenschlüssel, Wasserpumpenzange) darauf, dass sich die beiden Griffe nicht so weit zusammendrücken lassen, dass Sie sich die Finger einklemmen könnten (Klemmschutz beziehungsweise Quetschsicherung).
- Das Gelenk der Zange sollte außerdem gleichmäßig und leicht gleiten.
- Bei schneidenden Zangen machen Sie den Schneidtest: Schneiden Sie ein Stück Papier und einen mitgebrachten Draht. Das sollte in beiden Fällen gelingen und die Schneiden danach nicht beschädigt sein (keine Dellen).
- Die Zange sollte DIN-geprüft sein.
Auf einen Blick: Welche Zange für welchen Zweck?
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Kneifzange
Die Kneifzange hilft unter anderem beim Herausziehen von Nägeln oder Klammern und erleichtert das Abkneifen von Drähten. Auch monieren, kappen, verdrillen, kürzen und fixieren gelingen dank der unkomplizierten Handhabung mit nur wenig Kraftaufwand.
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Seitenschneider
Ein Seitenschneider ist eine Zange zum Zerschneiden und Trennen von Drähten. Sie kommt sehr häufig bei Elektroinstallationen zum Einsatz. Mit ihr können Isolierungen millimetergenau gelöst werden. Größere Schneider durchtrennen auch dicke Drähte oder Äste im Garten mühelos.
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Bolzenschneider
Für das Schneiden von Metallstäben, Schrauben, Drähten, Bolzen, Nägeln oder anderen Bauteilen – einem Bolzenschneider widersteht kaum ein Material. Anders als bei Trennschleifern oder Kappsägen entstehen zudem keine Funken, was die Unfallgefahr reduziert.
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Abisolierzange
Zum leichten Abisolieren von Elektroleitungen sowie zur Trennung von Plastik und Gummi von Draht oder Litze. Nicht nur in der Elektrotechnik, sondern auch für Anwendungen im Heimwerkerbereich die erste Wahl für Kabel mit Isolierungen aus PVC.
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Kombizange
Ziehen, biegen, greifen, trennen: Die Kombizange kann alles und darf in keinem Werkzeugkasten fehlen. Das Multitalent gibt es in den unterschiedlichsten Längen und Schneidehärten. Es ist sowohl für Profis als auch in der Privatwerkstatt unentbehrlich.
2. Zangen zum Greifen und Halten
Flachzangen besitzen kurze und breite Backen und sind damit ideal zum Greifen und Halten ohne hohen Kraftaufwand. Flachzangen mit langen und dünn zulaufenden Backen mit gezahnten Greifflächen sind ideal für Greifarbeiten an beengten Stellen.
Eine Wasserpumpenzange dient zum Greifen – etwa von Schraubgewinden, Muttern – oder um Verschraubungen oder Fittings zu lösen beziehungsweise anzuziehen. Durch ein verstellbares Gleit- und Rillengelenk (Durchsteckgelenk) lässt sich das Maul der Wasserpumpenzange an verschiedene Werkstückgrößen anpassen. Das Einstellen der Maulöffnung geschieht auf Knopfdruck oder ist selbsteinstellend durch einfaches Zusammendrücken der Griffe. Die Backen sind meist verzahnt, damit diese nicht abrutschen. Der Nachteil dabei ist, dass dadurch Kratzspuren auf der Oberfläche entstehen – besonders bei verchromten Teilen nicht schön.
Die Rohrzange ist das klassische Werkzeug für Sanitärinstallationen oder wird im Heizungs- und Lüftungsbau eingesetzt, um, ganz klar, Arbeiten an Rohren, Armaturen und die entsprechenden Befestigungen wie zum Beispiel Muffen oder Überwurfmuttern durchzuführen. Bei der Rohrzange stellen Sie zunächst die Maulweite mithilfe der Rädelmutter grob ein. Durch Druck auf den oberen Zangenarm, wird das Werkstück anschließend selbsttätig festklemmt (selbstverstärkender Hebelmechanismus) und kann so äußerst kraftsparend gelöst oder angezogen werden. Um in die andere Richtung zu drehen, müssen Sie die Zange lösen und umsetzen.
Gripzangen (auch Feststellzangen genannt) mit runden oder flachen Backen sind ideal zum Halten und Greifen von rundem, flachem, eckigem und profiliertem Material. Ausgestattet mit einer Stellschraube, die in einer bestimmten Position justiert und festgeklemmt wird, sind sie hochbelastbar und halten das Material sicher und fest.
Beachten Sie: Für schwer zugängliche Bereiche gibt es auch Gripzangen mit lang gezogenen Backen.
3. Zangen zum Schneiden und Trennen
Der Seitenschneider ist mit scharfen Schneiden ausgestattet, die direkt aufeinandertreffen. Damit kneifen Sie Drähte, Kabel oder Nägel, aber auch Gummi oder Kunststoff präzise ab. Seitenschneider kommen vornehmlich im Elektrobereich zum Einsatz. Zum Trennen von Eisen und NE-Metallen müssen die Schneiden gehärtet sein. Wenn der Seitenschneider bei besonders dicken und harten Materialien an seine Grenzen kommt, verwenden Sie seinen großen Bruder – den Bolzenschneider.
Beachten Sie: Tragen Sie bei schneidenden Zangen eine Schutzbrille und gegebenenfalls Handschuhe, um Verletzungen durch wegspringende Drahtenden zu vermeiden.
Wenn es um die Herstellung von Aussparungen für Rohrdurchführungen am Fliesenrand oder mitten in einer Fliese geht, ist die Fliesenlochzange (auch Papageienzange genannt) ein unerlässliches Werkzeug.
Eine Kneifzange dient vornehmlich zum Herausziehen von Nägeln, kann aber auch zum Abkneifen von dünnen Drähten oder weichen Draht- und Metallstiften eingesetzt werden.
Beachten Sie: Ähnlich der Kneifzange ist der sogenannte Vorschneider. Diese Zange hat einen etwas kürzeren Zangenkopf und ist dadurch besser zum Trennen von Drähten geeignet.
4. Zangen mit mehreren Funktionen
Das Allround-Werkzeug schlechthin ist die Kombinationszange (Kurzform: Kombizange). Mit ihr können Sie sowohl flache und runde Werkstücke greifen und halten als auch Drähte schneiden beziehungsweise abzwicken.
Der Zangenschlüssel (Variation einer Wasserpumpenzange) ist Zange und universeller Schraubenschlüsselsatz in einem Werkzeug und hervorragend zum Greifen, Halten, Pressen und Biegen von Werkstücken geeignet. Zangenschlüssel mit parallel geführten und glatten Backen sind besonders für empfindliche Oberflächen (z. B. verchromte Armaturen) ideal, da sie keine Kratzspuren hinterlassen. Die Maulöffnung lässt sich per Knopfdruck schnell auf die gewünschte Größe einstellen.
Wenn es um das Greifen, Halten, Biegen oder Schneiden an unzugänglichen Stellen oder bei filigranen Arbeiten geht, sind Rundzangen oder Flachrundzangen geeignet (im Bild von oben nach unten: Rundzange, Flachrundzange mit Schneide = Storchschnabel und Flachrundzange mit Mittenschneider = Telefonzange). Charakteristisches Merkmal dieser Zangen sind lange, dünn zulaufende Backen (entweder mit geraden oder abgewinkelten Backen). Mit ihnen ist etwa das Erfassen von Einzelleitern in Kabelbäumen, das Halten von Muttern und auch das Schneiden von weichen Drähten und Blechteilen möglich.
5. Zangen im Elektrobereich
Einige der bereits erwähnten Zangenarten (z. B. Kombizange, Seitenschneider, Telefonzange, etc.) gibt es auch als spezielle Modelle für den Elektronikbereich. Die zulässige Höchstspannung, gegen welche sie isoliert sind, ist jeweils auf den Griffen aufgedruckt. Aber: Nur der ausgebildete Fachmann darf an spannungsführenden Anlagen arbeiten. Nur wenn Sie einige wichtige Grundregeln im Umgang mit Strom beachten, können Sie einzelne Elektroarbeiten im Haus selber durchführen:
- zum Ratgeber Grundregeln im Umgang mit Strom
Daneben gibt es Abisolierzangen (mit einer Distanzschraube zum Einstellen der Kabeldicke) zum Abisolieren von Kabeln (linkes Bild) und sogenannte Crimpzangen (auch: Aderendhülsenzange), die zum Herstellen von sicheren Verbindungen von Hülse und Leiter geeignet ist (rechtes Bild).